Nachruf

Nachruf auf Dr.-Ing. Hans-Joachim Mascheck


Der Physiker war ein hervorragender Wissenschaftler und warmherziger Lehrer
Am 2. August 2022 verstarb im Alter von 98 Jahren Hochschuldozent Dr.-Ing. habil. Hans-Joachim Mascheck. Die Technische Universität Dresden und das Institut für Strömungsmechanik verlieren mit ihm einen besonders begabten und vielseitigen Wissenschaftler.

Hans-Joachim-Mascheck wurde am 6. März 1924 in Oberoderwitz geboren.
Seine schulische Ausbildung erhielt er am Gymnasium in Zittau. Gleich nach dem Abitur wurde er 1942 als Soldat zur Kriegsmarine eingezogen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitete er zunächst im elterlichen Betrieb, der Färberei Oskar Mascheck, als Garnfärber. 1948 begann Hans-Joachim Mascheck ein Chemie-Studium an der Universität Greifswald, wechselte aber nach kurzer Zeit zur Physik, setzte hier sein Studium fort und schloss es 1952 als Diplom-Physiker ab.


Seine akademische Laufbahn begann er im Oktober 1952 am Physikalischen Institut der Bergakademie Freiberg.


Im Jahr 1953 erhielt er am Institut für Angewandte Aerodynamik der Technischen Hochschule Dresden eine Stelle als Assistent, danach als Oberassistent bei Professor Wilhelm Richter, dem Spiritus Rector des großen Windkanals.


Im Jahr 1956 wurde Hans-Joachim Mascheck promoviert. Das Thema seiner Dissertation »Die Berechnung der Auftriebsverteilung starrer und elastischer Tragflügel« war ein viel beachteter Beitrag zur Tragflügeltheorie. Einen ersten Lehrauftrag bekam er 1956 in der damaligen Fakultät für Luftfahrtwe-
sen. Er hielt in dieser Zeit Vorlesungen zur Flugmechanik, zur Tragflügeltheorie und zu strömungstechnischen Messverfahren. Bis zur Schließung der Fakultät für Luftfahrtwesen 1961 war
Hans-Joachim Mascheck gemeinsam mit Triebwerksspezialisten wie Prof. Werner Albring, der das Institut für Angewandte Strömungstechnik der TU Dresden bis 1979 leitete, und Prof. Brunolf Baade, dem Chef der Flugzeugwerke in Dresden, auch intensiv in die Entwicklung des ersten düsengetriebenen Passagierflugzeuges der DDR eingebunden.


Ab 1961 bekleidete Hans-Joachim Mascheck an der Technischen Hochschule, die inzwischen den Status einer Technischen Universität erhalten hatte, eine sogenannte Wahrnehmungsprofessur für Sondergebiete der Aerodynamik am Institut für Angewandte Aerodynamik.


Nach der DDR-Hochschulreform 1968 war er bis 1989 Hochschuldozent für Turbulente Strömungen und Transportvorgänge. Sein Lehrgebiet und die Arbeitsgruppe Wärme- und Stoffübertragungin Strömungen, die er von 1971 bis 1983 auch leitete, waren bis 1968 Bestandteildes Instituts für Angewandte Aerodynamik, danach wurden sie dem Fachbereich Wärmetechnik/Kraftwerkstechnik beziehungsweise ab 1977 dem Institut für Angewandte Strömungstechnik innerhalb der Sektion Energieumwandlung zugeordnet.

Die Lehrtätigkeit von

H a n s – Jo ac h i m M a s c he c k war außerordentlich vielfältig und umfangreich. Er hielt Vorlesungen nicht nur zur Statistischen Theorie turbulenter Strömungen, sondern auchzur Wärme- und Stoffübertragung in Strömungen, zur Kondensation und Verdampfung sowie zu ausgewählten Kapiteln des Wärme- und Stoffübergangs in der Verfahrenstechnik und Strömungsmechanik. Neben seinen wissenschaftlichen Ausarbeitungen zu den Grundlagen der Wärme- und Stoffübertragung, die auch in der gleichnamigen Monographie nachzulesen sind, sind besonders seine Arbeiten zur Beschreibung und Berechnung turbulenter Strömungsvorgänge hervorzuheben. Als Physiker hatte er hier einen einzigartigen Zugang, der die Zuhörer der Vorlesungen, seine Doktoranden und Fachkollegen gleichermaßen faszinierte und mitunter sogar erstaunte. Hinzu kommt, dass er einer der ersten Wissenschaftler der Strömungsmechanik war, der nach eingehender Prüfung von Turbulenzmodellen, die in den 1940er- bis 1960er-Jahren von Kolmogorov, Prandtl, Rotta, Spalding, Harlow und vielen anderen erarbeitet wurden, eigene Lösungsansätze für die mathematisch-numerische Berechnung von Strömungen entwickelte und einsetzte. Es ist deshalb angemessen, ihn als »Pionier der Dresdner Schule zur Berechnung turbulenter Strömungen« zu bezeichnen. Neben seiner Monografie hinterlässt Hans-Joachim Mascheck der Fachwelt mehrere Lehrbriefe, zahlreiche Veröffentlichungen und ein (unvollendetes) Skript zur Beschreibung turbulenter Strömungen, an dem er bis weit über sein neunzigstes Lebensjahr hinaus gearbeitet hat. Hier entwarf er unter anderem Modelle, die Turbulenzstrukturen mit informationstheoretischen Ansätzen verbinden.


Zu erwähnen und besonders zu betonen ist, dass Hans-Joachim Mascheck nicht nur ein hervorragender Wissenschaftler, sondern auch ein warmherziger Lehrer und Vorgesetzter war, der die Belange und Fähigkeiten seiner Studenten, Doktoranden und Mitarbeiter berücksichtigte. Seine sachkundigen, immer freundlichen Erläuterungen halfen seinen Zuhörern sehr oft, einen Zugang zu komplizierten physikalischen Zusammenhängen zu finden und zu erkennen, dass in den Wissenschaften noch vieles einer weiteren intensiven Forschungsarbeit bedürfe. Er wird allen seinen Studenten, Schülern, Mitarbeitern und Kollegen in ehrenvoller Erinnerung bleiben.

Prof. Jochen Fröhlich, Leiter Institut für
Strömungsmechanik,
Dr.-Ing. Bernd Hanel

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